Veranstaltungsarchiv

27. September 2016
10117 Berlin

4. Branchentreff Diabetes: Diabetes - Epidemie !? - Wege aus dem Dilemma





Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,


von jedem Euro Krankenkassenbeitrag fließen ca. 10 Cent in die ärztliche Versorgung von Typ II Diabetikern. Das bedeutet, mit gut 5.000 Euro pro Kopf mehr als das Doppelte, was pro Jahr für einen Nichtdiabetiker aufgewendet werden muss. An zusätzlichen Kosten, wie Medikamente, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung, kommen noch einmal rund 20 Mrd. Euro hinzu. Das alles macht deutlich, welche Herkulesaufgabe unser Gesundheitssystem bei weiterhin wachsenden Erkrankungsziffern leisten muss, denn bei allen therapeutischen Fortschritten ist eine nachhaltige Besserung der Versorgungssituation nicht erkennbar. So fehlt es immer noch an einer Nationalen Diabetesstrategie und an Konzepten für durchgreifende Präventionsstrategien.


Noch immer werden in Deutschland z.B. jährlich 50.000 Füße amputiert und dabei zeigt sich, dass dies für Betroffene nicht nur vom sozialen Status abhängt, sondern auch davon, in welche Klinik er gerät. Hier fehlt es zum Teil offenbar an Anreizen, das scheinbar Unvermeidliche so lange wie möglich hinauszuzögern oder gar zu vermeiden. Vieles, woran es in unserem Gesundheitssystem mangelt, braucht zu lange, um behoben zu werden oder es fehlt ganz einfach an ausreichenden Mitteln. Fest steht, dass die Versorgungsstrukturen, egal ob auf Bundes- oder Landesebene dringend einer Reform bedürfen.


All dieses soll auf dem 4. Branchentreff Diabetes behandelt und diskutiert werden und Sie sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen, um mit den Referenten in einen Dialog zu treten. 





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19. November 2015
Frankfurt am Main

COGNOMED FORUM PHARMAKOTHERAPIE für Beratungsärzte und Beratungsapotheker: Multiple Sklerose - Neue Aspekte zur therapeutischen Patientenversorgung





Zertifiziert von der Ärztekammer Hessen mit 6 Fortbildungspunkten.


Zertifiziert von der Apothekerkammer mit 6 Fortbildungspunkten.





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28. September 2015
Berlin

3. Branchentreff Diabetes: Wie geht’s weiter mit der Diabetesbekämpfung in Deutschland?

Diese Veranstaltung wurde mit 8 Fortbildungspunkte der Ärztekammer Berlin zertifiziert.


Presseberichte:


Ärztezeitung vom 28.09.2015


Im Koalitionsstau


Diabetespläne hängen fest


Traurige Europameisterschaft: Deutschland belegt bei der Zahl der Zuckerkranken weiterhin Platz eins auf dem Kontinent. Der Kampf gegen Diabetes beschäftigt Mediziner und Politiker gleichermaßen - doch es ist Tempo nötig.


BERLIN. Im Januar klang es noch relativ forsch aus der Koalition, dass noch in diesem Jahr die Volkskrankheit Diabetes energisch angegangen werden sollte.


Ein Nationaler Diabetesplan sollte her, wahlweise eine Nationale Diabetesstrategie unter stärkerer Einbeziehung der Länder. Immerhin erscheint die Krankheit mit deutlich zweistelligen Milliardensummen auf der Kostenrechnung des Gesundheitswesens.


Jetzt wird es knapp mit den Versprechungen: Das Thema sei in der politischen Debatte präsent, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich beim 3. Cognomed-Branchentreff Diabetes am Montag in Berlin. Eingelöst habe die Politik ihre Ansagen jedoch nicht, räumte er ein.


Schwerpunkte der Diabetespläne anderer europäischer Länder bildeten das Sammeln von Daten, Versorgungsforschung, nationale Hilfen für die Regionen, Prävention und Früherkennung, sagte Hennrich.


Auf diesen Feldern könne Deutschland zum Teil bislang auch ohne Plan mithalten. Es bleibe aber bei dem Ziel, einen Diabetesplan oder eine nationale Strategie und länderspezifische Pläne aufs Gleis zu setzen, kündigte Hennrich an.


Diagnosen acht bis zehn Jahre zu spät


Seit 1998 habe sich die Prävalenz von Diabetes um 40 Prozent auf derzeit mehr als sechs Millionen Erkrankte in Deutschland erhöht, berichtete Professor Baptist Gallwitz, neuer Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Er verwies auf Defizite der Diabetes-Versorgung in Deutschland.


So erhielten zu viele Patienten ihre Diagnosen acht bis zehn Jahre zu spät. Nach wie vor komme jährlich es zu 40.000 diabetesbedingten Amputationen, 2000 Menschen erblindeten.


Das Präventionsgesetz, das im Juli in Kraft getreten ist, geht Gallwitz nicht weit genug. Nötig seien auch Steuern auf zucker- und fetthaltige, industriell gefertigte Lebensmittel sowie Standards für die Kita- und Schulverpflegung. (af)



Deutsches Zentrum für Diabetesforschung - DZD vom 29.09.2015


3. Branchentreff Diabetes – Herausforderungen der nationalen Diabetes-Strategie


Trotz aller Erfolge und Fortschritte in der Behandlung von Diabetes, steht unser Gesundheitssystem angesichts der demografischen Entwicklung vor großen Herausforderungen. Gefragt sind nachhaltige Ansätze für die Gesundheitsförderung und Prävention. Auf dem 3. Branchentreff Diabetes am 28. September 2015 in Berlin stellten Vertreter aus Forschung, Verbänden und Politik den aktuellen Stand der Diabetesversorgung in Deutschland vor und zeigten auf, wo Handlungsbedarf besteht.


DZD-Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Fritsche, Leiter der Abteilung Ernährungsmedizin und Prävention am Universitätsklinikum Tübingen, ging in seinem Vortrag darauf ein, wie die Früherkennung und Prävention des Typ-2-Diabetes sinnvoll ausgebaut werden könnte. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Berücksichtigung von Subphänotypen und darauf abgestimmte personalisierte Ansätze. In der Prädiabetes Lebensstil-Interventions-Studie (PLIS) – einer Multicenterstudie des DZD – wird dieses Konzept bereits umgesetzt. Die intensive individuelle Betreuung wird von den Patienten mit großem Interesse angenommen.

Weitere diskutierte Fragen der Veranstaltung waren, wann es einen nationalen Diabetesplan in Deutschland geben wird und was dieser beinhalten sollte. EU-weit verfügen schon 16 Länder über eine nationalen Diabetesplan. 

Der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich sagte, dass die Schwerpunkte der Diabetespläne anderer europäischer Länder die Versorgungsforschung, nationale Hilfen für die Regionen, Prävention und Früherkennung, seien. Auf einigen dieser Felder könne Deutschland sehr gut mithalten. Hennrich kündigte an, eine bundesweite nationale Diabetesstrategie mit länderspezifischen Diabetesplänen in Gang zu setzen, um den föderalen Strukturen gerecht zu werden.

Frau Dr. Christa Scheidt-Nave vom Robert Koch Institut erörterte die Pläne zu einer Diabetes Surveillance, die vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Diese „Überwachung“ der Diabeteszahlen und Diabetesfolgen in Deutschland ist wichtig, um die Versorgung der Patienten verbessern zu können. Hier besteht auch eine Zusammenarbeit mit der Epidemiologie im DZD, wie Frau Scheidt-Nave erwähnte.

Die Forschungsinitiativen zur Diabetes-Prävention und Versorgung sind nötig, um der steigenden Diabeteszahlen und den Defiziten in der Diabetesversorgung Herr zu werden, von denen Professor Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom DZD-Partner des Universitätsklinikums Tübingen berichtete.



von 12. Oktober 2015 VFA-Patientenportal



Was muss passieren?



 

„Ein Riesenproblem, das wir ein Deutschland haben“, so bringt Prof. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE, die Herausforderung Diabetes auf den Punkt. Auf einer Veranstaltung von Cognomed dreht sich alles um das Thema.




Prof. Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe (© pag, Maybaum)

Die Zahlen zu Diabetes sind alarmierend: Jede Stunde sterben drei Menschen an der Krankheit, informiert Prof. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Bundesweit seien mehr als 6,5 Millionen betroffen, täglich würden 1.000 Bundesbürger neu erkranken. Die Zahl der jährlichen Amputationen, die auf Diabetes zurückgeht, beziffert er auf 40.000. Zudem würden jedes Jahr 2.000 Menschen neu durch Diabetes erblinden.

Diabetes = schlechtes Gewissen?
Das Thema sei für viele mit einem schlechten Gewissen behaftet, hat Thomas Danne beobachtet. „Wir müssen es aus der Schattenseite herausholen“, appelliert er, „und mit Vorurteilen über Diabetes aufräumen“. Damit bezieht er sich unter anderem darauf die Vorstellung, Diabetes sei in jedem Fall selbst verschuldet. Es gelte, über andere Ursachen – als Stichwörter nennt Danne Genetik, Epigenetik und Immunologie – zu informieren. Intensive Aufklärungsarbeit leistet der Mediziner mit der Kampagne „Diabetes stoppen jetzt!“. Dabei hat er die Erfahrung gemacht: „Letztlich geht alles nur, wenn die Politiker mit im Boot sind – sonst bewegt sich nichts.“




Michael Hennrich, Bundestagsabgeordnete (CDU) (© Cognomed, Schmidt)

Ein Politiker, dem das Thema ein wichtiges Anliegen ist, ist der Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich. Er äußert sich in seinem Vortrag zu der Frage, wann die bereits oft diskutierte nationale Diabetes-Strategie kommt. Oder soll es einen Diabetes-Plan geben? Ziel des CDU-Politikers ist es, dass eine Diabetes-Strategie vom Bund „aufs Gleis“ gesetzt wird. Dafür sei allerdings noch beim Koalitionspartner und beim Bundesgesundheitsministerium Überzeugungsarbeit zu leisten, räumt Hennrich ein. Wenn die Bundesstrategie steht, könnten die Bundesländer darauf basierend eigene Diabetes-Pläne umsetzen. Zeitliche Prognosen dazu mag Hennrich allerdings keine abgeben.

Patienten scheitern an Sektorengrenzen
Dabei drängt die Zeit. Die Herausforderungen sind vielfältig, zahlreiche nennt Prof. Gallwitz in seinem Vortrag. Zur Versorgung merkt er etwa an: „Viele Menschen scheitern an der Sektorengrenze“, also dem Übergang zwischen Klinikbehandlung und der Versorgung durch niedergelassene Ärzte. Damit Patienten nicht durch das Raster fallen, mahnt er eine bessere Zusammenarbeit an. Große Chancen, die flächendeckende Versorgung sicherzustellen, sieht er insbesondere bei der Tele-Diabetologie.
Auch um den medizinischen Nachwuchs muss man sich Gallwitz zufolge intensiver bemühen, er meint damit bessere Karrierechancen und weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren mehrere Diabetes-Lehrstühle verloren gegangen seien.
Im kürzlich in Kraft getretenen Präventionsgesetz erkennt der stellvertretende Ärztliche Direktor vom Universitätsklinikum Tübingen „erste gute Schritte“, allerdings geht es ihm noch nicht weit genug. Er kritisiert, dass vorrangig auf Verhaltensprävention gesetzt werde, „wir brauche eine Verhältnisprävention“.


Was ist Verhältnisprävention?
Die Verhältnisprävention zielt nicht auf das Verhalten des Einzelnen, sondern auf die Verhältnisse, in denen der Mensch lebt. Der Vorteil: Präventionsprogramme können gezielt dort ansetzen, wo das Risiko am höchsten ist, schreibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dagegen nimmt die Verhaltensprävention Einfluss auf das individuelle Gesundheitsverhalten.






Publikum (© Cognomed, Schmidt)


Frühe Nutzenbewertung: Benachteiligung von Diabetes-Produkten?
Kritisch wird auf der Veranstaltung auch die frühe Nutzenbewertung von Diabetesprodukten beleuchtet. Prof. Thomas Danne zufolge werden chronische Krankheiten in dem Verfahren nach Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) „ganz klar benachteiligt“. Holger Bless, Bereichsleiter Versorgungsforschung beim IGES Institut, weist darauf hin, dass bei Medikamenten zur Behandlung chronischer Leiden die Endpunkte so weit in der Zukunft liegen, dass sie in Zulassungsstudien nicht zu erfassen sind. Insgesamt, so Bless, besteht bei der frühen Nutzenbewertung das Risiko, Fehler 2. Art (zu Unrecht aberkannter Zusatznutzen) zu begehen, um Fehler 1. Art (zu Unrecht anerkannter Zusatznutzen) zu vermeiden. Auch der Politiker Michael Hennrich sieht die Bewertungen von Diabetesprodukten im AMNOG-Prozess kritisch. Als Politiker sei es jedoch schwierig, dort einzugreifen, das müsse in der Balance zwischen dem Gemeinsamen Bundesausschuss und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) geregelt werden.

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